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Lahnmarmor

Lahnmarmor Bild 1
Ausstellung Lahn Marmor Museum
Lahnmarmor Bild 1
Lahn Marmor Museum

Entlang des Lahntals gibt es große Vorkommen des sogenannten Lahn-Marmors (auch Nassauer Marmor genannt), eines wegen seiner reichen Farbigkeit hochgeschätzten polierfähigen Kalksteins. Es gab über 100 Steinbrüche in denen der er in Laufe der letzten 400Jahre abgebaut wurde. Heute baut die Firma Schaefer-Kalk dieses Gestein in verschiedenen Brüchen ab und brennt hochwertigen Kalk daraus. Lahn-Marmor ist kein echter Marmor (kristalliner Marmor), wie z.B. Carrara-Marmor, der in größerer Tiefe unter sehr hohem Druck und Temperatur seine Farbigkeit und dekorative Zeichnung verloren hat.

Entstanden ist der Lahn-Marmor vor ca. 380 Mio. Jahren im Devon als Sedimentgestein in Stromatoporenriffen. Zu dieser Zeit lag unsere Region knapp südlich des Äquators und es herrschte eine über lange Zeit optimale Wassertemperatur. Der hohe Kalkgehalt des Devonmeeres begünstigte das Wachstum der Riffbildner Stromatoporen und Korallen sowie Seelilien, Brachiopoden und Schnecken. In flachen Lagunen verrottete ein reicher Pflanzenwuchs; der im Faulschlamm entstehende Kohlenstoff färbte den sich bildenden Kalkstein schwarz und grau. Vulkanische Tätigkeit ließ später eisenhaltiges Wasser über den Kalkstein fließen und in ihn eindringen – es färbte ihn hell- bis dunkelrot, braun und gelb. So entstanden die vielen Varietäten des Lahn-Marmors, vom schwarzen, weiß- oder goldgeäderten Schupbacher bis zum schwarz-rot-geflammten Unica und zum hellrot geschleierten Bongard in Villmar. Durch Erdplattenverschiebungen driftete die Gegend immer weiter nördlich.

Lahn-Marmor fand vielfache Verwendung, auch in „prominenten“ Bauwerken, so z.B. in den berühmten Epitaphien des Mainzer Domes, beim einzigen Apostelgrab nördlich der Alpen in der Abtei St. Matthias in Trier, im kaiserlichen Treppenhaus des Berliner Doms, im barocken Marmorbad des Weilburger Schlosses, an den Altären der Mannheimer Jesuitenkirche und der Klosterkirche Amorbach, in Stationen der Moskauer U-Bahn, in der Aula der Universität Zürich, im Bahnhof Haidarpascha in Istanbul, in der Eremitage in St. Petersburg, in der Eingangshalle des Empire State Buildings in New York oder im Wiesbadener Kurhaus.

Entdeckt und abgebaut wurde der Lahnmarmor nach bisherigem Kenntnisstand seit dem 16. Jahrhundert. In Beselich, besonders in Schupbach und Niedertiefenbach zeugen heute noch Aufschlüsse und Steinbrüche von der vergangenen Industriekultur. Besonders der schwarze Lahn-Marmor (Schupbach schwarz, Schupbach Goldader) bestach mit seiner schlichten Schönheit die Bauherren früherer Jahre, die ihn in vielen historischen Gebäuden verbauten. Weitere Abbaustätten in Schupbach waren die Steinbrüche Korallenfels, Wiedisch rot, Famosa und auf Gaudernbacher Gebiet, Orania grau und rot.

Der Transport des Schupbacher, Gaudernbacher und Wirbelauer Marmors zu den Verarbeitungsbetrieben erfolgte zum größten Teil mit der Kerkerbachbahn, die eigens dafür drei Verladestationen errichtet hatte. Eine dieser Stationen bei Streckenkilometer 13,3 wurde von Ragnar Feickert und Axel Becker zum Teil wieder hergerichtet. Auch einige Meter Gleis wurden neu verlegt und ein Prellbock errichtet. Eine weitere soll ebenfalls rekonstruiert werden. Der Steinbruch Korallenfels ist in Privatbesitz und kann auf Anfrage besichtigt werden. Es wird 1-2-Führungen im Jahr geben, Anfragen über das Lahn-Marmor-Museum.

Das im Jahr 2016 eröffnete Lahn-Marmor-Museum in Villmar zeigt die Entstehung des Lahnmarmors, seine Vorkommen, die Geschichte und Techniken seiner Gewinnung und die Verarbeitung und Anwendung. Das Museum bringt die örtliche Industriekultur vergangener Jahre in Erinnerung. Viele Menschen der Region lebten damals vom Abbau und der Verarbeitung des Lahnmarmors. Weitere Informationen unter www.lahn-marmor-museum.de.

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